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Praxis-Geschichten

Großes Kino mit kleinen Hauptdarstellern.

Intensive Kinderkrankenpflege ist nicht der Stoff, aus dem Träume sind. Und dennoch passiert im Alltag unserer Mitarbeiter soviel Einzigartiges, dass man es kaum in Worte fassen kann. Wer zwischen den Zeilen unserer Erfahrungsberichte lesen kann, kommt diesem Geheimnis näher. Entdeckt, warum es sich lohnt, ein Teamwichtel zu sein. Und bekommt ein Gespür dafür, warum es eigentlich keinen dankbareren und schöneren Job auf der Welt geben kann.

 

Frage 1:

Es gibt viele Felder, in denen Sie in Ihrem Beruf tätig sein können. Warum arbeiten Sie im Wichtelteam und nicht zum Beispiel in einer Privatklinik?

Petra: "Mir gefällt der nahe und intensive persönliche Kontakt mit den Patienten, dadurch kann man Erfolge miterleben und verfolgen. Es gibt nicht diesen Zeitdruck und Leistungsdruck, das finde ich bei der Betreuung und Pflege von Kindern unpassend!"

Ramona: "Es ist einfach persönlicher im Wichtelteam. Man betreut pro Schicht nur einen kleinen Patienten und so kann man sich eben voll auf ihn konzentrieren."

Tanja: "… weil die Arbeitszeiten sehr gut mit meiner Familie zu vereinbaren sind, es im Wichtelteam sehr familiär zugeht und man auch immer ein offenes Ohr bei der Pflegedienstleitung und unserem Chef findet."


Frage 2:

Warum haben Sie diesen sozialen Beruf ergriffen?

Petra: "Ich wollte nie einen 'Büro-Job', ich wollte mit Menschen zu tun haben, mit ihnen arbeiten und ihnen helfen. Und gerade Kinder brauchen unsere Hilfe und Unterstützung. Mit ihnen und für sie zu arbeiten ist etwas Besonderes."

Ramona: "Ich arbeite gerne mit Kindern zusammen"

Tanja: "Ich wollte schon als kleines Kind (…) Kinderkrankenschwester werden. Meine kleine Cousine wurde als Frühchen geboren, alle fanden die Geräte um sie herum schrecklich, ich dagegen habe nur das kleine, hilflose Baby gesehen. Mir war klar, solchen Kindern möchte ich helfen."


Frage 3:

Warum arbeiten Sie lieber mit Kindern als mit Erwachsenen?

Petra: "Kinder sind ehrlich und viel dankbarer, sie freuen sich über das, was sie können und trauern nicht über verlorene Fähigkeiten."

Ramona: "Kinder sind unbefangen. Erwachsene haben einfach ganz andere Erwartungen. (…) Manchmal vielleicht auch die Falschen."

Tanja: "Kinder sind ehrlich, direkt und das mit einem Charme, der einem das Arbeiten leicht macht."


Frage 4:

Viele erzählen von dem "besonderen Kinderlächeln"...

Petra: "Ja, es ist ein offenes, ehrliches Lächeln, das vom ganzen Herzen kommt Ich freue mich einfach mit, egal wie mein Tag war oder wie ich mich fühle, ich vergess dann einfach alles und muss auch lächeln. Es ist erstaunlich, wie lebensfreudig die meisten Kinder sind, trotz ihrer Krankengeschichte."

Ramona: "(…) es zaubert automatisch ein lächeln ins Gesicht.. Und man merkt, dass man seine 'Arbeit' gut macht."

Tanja: "Wenn ich ein Kinderlächeln geschenkt bekomme, schmelze ich dahin. Was 'passiert in Ihnen', wenn Ihnen ein krankes oder behindertes Kind dieses Lächeln schenkt? Ich fühle mich gut, da das Kind sich ja wohl fühlen muss, wenn es lächelt."


Frage 5:

Gerade anfangs ist es für manche Eltern schwierig jemand Fremdem sein Kind anzuvertrauen. Und natürlich auch im Familienleben so intensiv zu integrieren, wie es mit Ihnen als WichtelTeamer der Fall ist. Genauso ist es vielleicht auch für Sie: neue Familie, neues Kind, neue Herausforderungen...

Petra: "Ich versuche immer, mich in die Lage der Eltern hinein zu versetzen, ich überlege, wie würde es mir gehen wenn 24h am Tag ein 'Fremder' bei mir Zuhause wäre. Es sind nicht meine Kinder, was für mich bedeutet, dass die Eltern die Entscheidungen treffen und wir ihre Wünsche in allen Bereichen akzeptieren müssen. Gerade wenn ich ein Kind nicht kenne, versuche ich es mit Hilfe der Eltern kennenzulernen. Ich stelle Fragen und arbeite nicht einfach nach meinem eigenen 'Schema'. Jedes Kind ist anders, genau wie seine Eltern. Oft ist es auch für die Eltern einfacher, wenn sie wissen, sie können jeder Zeit 'mit dazukommen", sie können mir gerne jederzeit bei der Arbeit zugucken."

Tanja: "Es ist immer wieder sehr spannend in eine neue Familie zu kommen. Jede Familie, Familienstruktur ist anders, man sollte sich in die Familie einfügen können, ohne sie zu stören. Eltern zu bestärken und nicht zu belehren, das ist ganz wichtig. Es ist wichtig genau zu spüren, wann die Eltern einen brauchen und das Bedürfnis haben zu erzählen und wann sie ihre Ruhe wollen. Wenn ich spüre, dass die Eltern alleine sein wollen, ist die Devise in unserem Team, ein guter Pflegedienst ist der, den man kaum merkt das er da ist und den Eltern den nötigen Freiraum, ihre Privatsphäre, geben kann.

Erzählen Sie doch mal von einem für Sie sehr einprägsamen Erlebnis hierzu. Warum sollten wir Ihnen als Eltern vertrauen?

Tanja: "Die Eltern wissen, dass alles was während unserer Arbeit passiert in den eigenen vier Wänden bleibt. So kann ich nicht von einprägsamen Erlebnissen berichten. Ich wahre die Diskretion… Darauf können sich die Eltern in allen Teams verlassen."


Frage 6:

Intensiv-Krankenpflege ist insbesondere Nervenstress. Was tun Sie, um diesen abzubauen bzw. was haben Sie für einen Ausgleich?

Petra: "Ich gehe zwei Mal in der Woche ins Balletttraining, im Sommer versuche ich so oft wie möglich raus zu gehen(…) und v.a. möglichst viel Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen."

Ramona: "Der schönste Ausgleich ist für mich mein Hund. In der Natur kann man einfach mal abschalten und Arbeit Arbeit sein lassen."

Tanja: "Ich gehe mit meinem Mann und meinem Hund viel in den Wald spazieren, mache Yoga und lese wenn ich Zeit habe."


Frage 7:

Was lernen Sie an Erfahrungen aus der Intensivkrankenpflege von Kindern?

Petra: "Es gibt immer etwas Positives, man muss nur die Augen aufmachen und es finden. Man sollte nicht immer nur auf das Unerfreuliche achten, das macht unzufrieden und unglücklich."

Tanja: "Sich immer wieder neuen Aufgaben und Situationen zu stellen, auf verschiedene Familien, Menschen, einzulassen. Außerdem kann ich viel gelassener mit meinen eigenen Kindern umgehen."


Frage 8:

Glauben Sie persönlich an Wichtel, Kobolde und Märchen?

Petra: "Ich liebe noch heute Märchen, ich fände es toll, wenn es solche kleinen 'Helfer' geben würde. Manchmal glaub ich auch, dass der eine oder andere Patient so was wie einen Schutzengel hat, gerade wenn sie so viele lebensbedrohliche Situationen scheinbar ohne Folgen überstanden haben."


Frage 9:

Mit welcher Märchenfigur würden Sie Ihren Beruf am ehesten vergleichen?

Petra: "Sterntaler, die meisten Menschen sehen nur, dass wir in der Pflege viel geben und dass es körperlich und psychisch sehr anstrengend ist. Sie sehen, nicht wie viel man besonders von den kleinen Patienten zurück bekommt. Ich stehe am Ende nicht ohne Essen und Kleidung da, sondern bin mit Gold überschüttet."

Tanja: "Da gibt es keine bestimmte Märchenfigur, mal bin ich die gute Fee, die Erleichterung und Freiräume schafft, mal der Kasper, der ein Lächeln bringt. Leider auch mal die Hexe, wenn ich etwas tun muss, was den Kindern nicht gefällt. Aber auch mal die Vorleserin, die Kinder in die Märchenwelt entführen kann."


Frage 10:

Intensive Kinderkrankenpflege ist ein recht sperriger Begriff. Wie erklären Sie also Ihren eigenen (oder den anvertrauten) Kindern bzw. Freunden, was Sie genau machen?

Petra: "Die Kinder, bei denen ich arbeite, sind schwer krank und müssten ohne unsere Hilfe im Krankenhaus leben."

Ramona: "Ich betreue Kinder, die aufgrund ihrer Krankheit nicht von den Eltern alleine versorgt werden können (…) und zwar zu Hause in ihrer Familie."

Tanja: "Das ist eigentlich ganz einfach, ich kümmere mich um Kinder, die so schwer krank sind, dass sie ohne Kinderkrankenschwestern nicht zu Hause sein, sondern nur in der Klinik zu Hause wären. Wir ermöglichen Familien mit schwerstkranken Kindern ein halbwegs 'normales' Familienleben in den eigenen vier Wänden zu leben."

Vielen Dank an die Mitarbeiterinnen des WICHTELTEAMS für die Zeit und Mühen sowie die offenen Antworten beim Interview.

Wichtel

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